24.07.2010
Buntes Spiel. Kein wildes Rumgeballer: Bei „Paintball” ist Taktik gefragt. Ein Dutzend junger Bad Reichenhaller übt die Sportart mit großem Erfolg aus.
Bad Reichenhall. Wer einen Farbklecks abbekommt, der ist draußen: Beim Paintball stehen sich zwei Mannschaften gegenüber, die versuchen, sich mit Luftdruckpistolen und Farbmunition zu markieren. „Das ist anstrengender, als man glauben möchte”, erzählt Philip Kammerer.
Für den Sport seien Schnelligkeit, Kommunikation, Teamfähigkeit, Kampfgeist und Mut nötig, so der 24-Jährige. Er gehört zum Gründungsteam der „Paintball Society Reichenhall”. Der zwei Jahre alte Verein zählt aktuell zwölf Mitglieder, sie sind zwischen 19 und 30 Jahre alt. Sogar eine Frau gehört zur Gruppe. Das weibliche Geschlecht ist nicht zu unterschätzen, weiß Philip Kammerer aus Erfahrung: „Frauen sind oft flinker, geschickter und unberechenbarer im Spiel.”
Mehr als das andere Geschlecht und mögliche blaue Flecken nach einem direkten Körpertreffer scheut der Ainringer aber die vielen Paintball-Kritiker. „Schlimm ist immer wieder der Vergleich mit dem Amokläufer von Winnenden - obwohl der nie etwas mit Paintball zu tun hatte.” Nach der schrecklichen Tat diskutierten deutsche Politiker über ein Paintball-Verbot. Doch hinter den Kritikpunkten stecke „nichts als heiße Luft”, so Kammerer: „Wir sind keine Amokläufer und wir trainieren nicht das Töten.”
Um sich klar in diese Richtung abzugrenzen, gibt es strenge Regeln: „Die Markierer dürfen nicht echten Waffen nachgebaut sein, wir tragen keine Tarnklamotten und Paintballs mit roter Farbe sind tabu, damit keine Assoziation mit Blut entstehen kann.”
Der schlechte Ruf ihres Sports kann die Paintballer aber nicht aufhalten. Mit großem Erfolg spielen sie in der österreichischen Nationalliga mit. Ein Team aus Bad Reichenhall schaffte es gleich am ersten Spieltag ganz oben aufs Treppchen. „Wir verkaufen uns mehr als gut”, so Kammerer. Das Ziel ist es darum, am Saisonende zu den ersten Drei zu gehören.
Viel Training ist dafür auf der einen Seite nötig; die Gruppe trifft sich darum mindestens einmal in der Woche in der einzigen Paintball-Halle in der Nähe, in Salzburg-Bergheim. Die andere Voraussetzung ist, wie so oft, das Geld. Neben oft langen Anfahrten und Teilnahmegebühren fallen vor allem die Paintballs ins Gewicht. 2.000 Stück kosten je nach Qualität zwischen 40 und 80 Euro. „Beim letzten Spieltag haben unsere zwei Mannschaften zusammen fast 30.000 Paintballs verbraucht”, rechnet Philip Kammerer vor. Die Ausrüstung schlägt noch einmal mit 1.000 bis 1.500 Euro zu Buche.
Um sich höhere sportliche Ziele stecken und etwa in europäischen Ligen mitmischen zu können, sucht die Paintball Society Reichenhall dringend Sponsoren. „Ohne Förderer ist das leider nicht möglich”, erklärt Philip Kammerer.